1991 fuhren mein Vater Hans Jess und ich nach Spanien, um eine Freundin zu besuchen und auch um die Karwoche mitzuerleben.

Den Palmsonntag verbrachten wir in Elche und sahen die prächtige Prozession mit bis zu 3 Meter hohen Palmwedeln. Die Karwoche erlebten wir in Alicante und sahen jeden Abend die Prozession einer anderen Bruderschaft. Am Karfreitag dann wurden in einer stundenlangen Prozession die riesigen Figurenpodeste aller Bruderschaften durch die Stadt getragen, zeitweilig nur auf den Köpfen der Menschen liegend. Das war sehr beeindruckend - hat aber mit der Sammlung Jess, die es ja noch nicht gab, zunächst wenig zu tun!

Wir wohnten damals bei Ilse, die das Museo de Alfareria in Agost besaß. Im Hauptraum, in dem wir auch regelmäßig zu Mittag aßen, stand eine Vitrine mit den "Resten" der Weihnachtsausstellung. Ilse holte damals in der Vorweihnachtszeit nämlich immer spanische Töpfer nach Agost, die dort Krippenfiguren herstellten. Einer dieser Töpfer war Herr Abellan aus Murcia. In seiner Werkstatt gibt es Tonmodel aus dem 19.Jahrhundert, mit denen man neben der Weihnachtskrippe auch Figuren des täglichen Lebens herstellen kann! Die Figuren in der Vitrine gefielen uns und wir nahmen - als Souvenier - einen Waserträger mit nach Hause! Unsere erste Krippenfigur - ohne Krippe!

Später schenkte Ilse uns noch einige andere Figuren, ein Schweinchen, eine Bäckerin ... Die Figuren gefielen uns, weil sie das tägliche Leben im Spanien des 19.Jahrhunderts zeigten! So bestellten wir bei Ilse noch mehr Figuren, kauften auch bei Abellan, der einige Jahre später im Hamburger Museum für Völkerkunde mit anderen spanischen Töpfern seine Arbeiten präsentierte, weitere Figuren ... und ganz zum Schluss kam dann die Kernkrippe dazu! Wir wollten also ursprünglich garnicht Krippen sammeln, sondern unsere "ethnologische Neugier" befriedigen!

Wir hatten nun unsere ersten Krippe! Auf Messen und Weihnachtsmärkten sahen wir dann Krippen aus anderen Ländern, hauptsächlich Palästina und Peru. Auch diese Krippen sagten nicht nur etwas über das Weihnachtsgeschehen aus, sondern auch über die Länder, in denen sie entstanden waren und über die Menschen, die sie herstellten! Das interessierte uns! Und plötzlich hatten wir nicht nur eine sondern 27 Krippen, machten zuhause eine kleine Ausstellung und erhielten eine sehr positive Resonanz!

Einer der wichtigsten Märkte für uns war der Christkindlesmarkt im Hamburger Völerkundemuseum. Dort lernten wir nämlich Pater Reiner aus Bayern kennen, der dort u.a. Krippen verkaufte. Von ihm haben wir eigentlich unsere interessantesten Krippen, z.B. den Gnadenbaum der Makonde, die sizilianische Krippe, die Szopka aus Krakau, die "Kuhhaut" aus Äthiopien, die koreanische Seidenkrippe ... Der Kontakt zu einigen Galerien brachte vor allem polnische und mexikanische Krippenkunst in unser Haus. Aber auch Flohmärkte und ein bekannte Internet-Plattform waren manchmal ergiebig. Später, nach dem Tod meines Vaters, lernte ich Karlheinz Melzer in der keramischen Werkstatt Bethel kennen, der viele Darstellungen zu Themen aus dem Alten und Neuen Testament für die Sammlung Jess getöpfert hat.

Der Kontakt zu anderen Sammlern und Sammlerinnen motivierte uns, weiter zu machen! Auch die Mitgliedschaft in zwei Krippenvereinen ist sehr anregend.

Der Brauch, der vor allem in einigen süddeutschen Gegenden verbreitet ist, am Heiligen Abend zunächst mal Adam und Eva in die Krippe zu stellen, brachte mich dazu, auch Paradiese in die Sammlung aufzunehmen. Mein Vater schüttelte den Kopf, weil er befürchtete, dass die Sammlung ausufern würde. (Darum, lieber Papa, habe ich dir nach deinem Tod auch das Tryptichon von S. Apriasz anfertigen lassen, dass das ganze Heilsgeschehen vom Paradies bis zur Befreiung Adams und Evas aus der Vorhölle zeigt! Diese kompakte Darstellung hätte dir sicher gefallen!)

Heute umfasst die Sammlung Jess über 700 Exponate.

Es ging mir beim Ausbau der Sammlung darum, Ereignisse des gesamten Heilsgeschehens zu zeigen, nicht mehr nur die Krippe, sondern auch die Passion. Jochen Klepper, ein katholischer Theologe, der gemeinsam mit seiner jüdischen Frau im KZ starb, sagte einmal:" Es gibt nichts tröstlicheres als das wir beides sehen: Die Krippe und das Kreuz!"

Wir sammelten nie für uns alleine. Immer wollten wir die Freude an den Darstellungen mit anderen teilen, zunächst in Hausausstellungen, dann auch im größernen Rahmen außerhalb. Die erste große Ausstellung "Vom Paradies bis Pfingsten" im Kieler Kloster, die mein Vater noch mitgeplant hatte, erlebte er leider nicht mehr! Weihnachten nach seinem Tod gab es die Ausstellung "Weihnachten in Europa" im Norddeutschen Landesmuseum (Altonaer Museum) in Hamburg, bei der 40 unserer Krippen gezeigt wurden. Später gab es einige Ausstellungen im Missionszentrum in Breklum. Eine Teilnahme am großen Krippenweg in einer Stadt im Harz war ein Flop, da die Krippen dort z.B. neben Wanderstiefeln, Unterwäsche oder Tortenstückchen ausgestellt wurden. Trotzdem bin ich immer wieder gerne bereit, Teile der Sammlung zu entleihen. So haben wir 2017/18 eine wunderbare Ausstellung "Weihnachtskrippen verbinden Völker" mit sehr guter Besucherresonanz im Museum Viadrina in Frankfurt (Oder) erlebt!

 

 

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